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Die lange Geschichte des Estadio Centenario

Montevideo - Estadio CentenarioMontevideo - Estadio Centenario 01.11.2017: Eines der bekanntesten Stadien der ganzen Welt ist in Südamerika, genauer gesagt in Uruguay, zu finden. Das Estadio Centenario wurde bereits bei der ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930 genutzt und ist noch heute als Nationalstadion der Standort des uruguayischen Nationalteams sowie der großen Derbies zwischen Nacional und Peñarol. Eine Annäherung an das Phänomen Centenario.


Das erste WM-Finale der Geschichte


Als einer der geschichtsträchtigsten Orte der Fußballgeschichte steht das Estadio Centenario auch heute noch, etwas vor sich hin bröckelnd, in Uruguays Hauptstadt Montevideo. Nachdem die Konstruktion erst im Juli 1929 begann, musste das Stadion schon ein Jahr später fertig gestellt sein. Es umfasste, zumindest offiziell, 70.000 Zuschauer. Das erste Spiel erlebte das große Rund gleich mit einer WM-Partie. Uruguay und ihr südamerikanisches Pendant Peru trafen sich am 18. Juli 1930 auf dem grünen Rasen. Das Heimteam konnte den Auftakt siegreich gestalten und sollte sich im Anschluss ebenso durch das Turnier spielen. 12 Tage später lief man abermals auf den Rasen des Estadio Centenario auf. Der Tag des Endspiels war gekommen und Uruguay traf auf seinen Erzrivalen Argentinien. Es handelte sich um ein Spiel mit verrückten Zwischenfällen, die heute kaum noch vorstellbar sind.

Diese Zwischenfälle begannen bereits weit vor dem Spiel. Vor allem weil der Schneefall zum Auftakt des Turnieres mittlerweile der Vergangenheit angehörte, kamen deutlich mehr als die 500 Zuschauer, die sich im Gran Parque Central Frankreich gegen Mexiko anschauten. Statt den eigentlich zugelassenen 70.000 Menschen drängten sich also 90.000 Zuschauer bis an den Spielfeldrand, um ihre Nation zu unterstützen. Diese Zuschauer hatten im Übrigen mit einer ungewohnten Neuheit zu kämpfen: auf ausdrücklichen Wunsch des Schiedsrichters wurde erst kurz vor dem Endspiel verboten, dass die Besucher Revolver mit sich führten. Dass diese dem nicht blind Folge leisten wollten, wurde bei den Einlasskontrollen deutlich. Gleich 1.600 Waffen wurden vom Sicherheitspersonal beschlagnahmt. Spötter behaupten, das Letzteres 1930 teils besser funktioniert habe, als das heute der Fall ist.

   
Estadio Centenario, Photo: www.frank-jasperneite.de


Apropos Schiedsrichter: Der Belgier John Langenus war ein begeisterter Entdecker, für den der Fußball auch nicht alles war. So machte er sich am Tag des Finals erst einmal noch auf Entdeckungstour entlang des Rio de la Plata. Wenige Stunden vor dem Finale kam er schließlich in seiner Arbeitskleidung − Veston, Knickerbocker und Krawatte − ins Stadion, um das Spiel zu leiten. Für die Europäer war er neben seiner Schiedsrichtertätigkeit aufgrund der großen Entfernung zugleich noch als Journalist tätig. Da auch der Spielball für die Teams ein Problem darstellte, wurde jeweils eine Halbzeit mit dem Ball aus Argentinien und anschließend mit jenem aus Uruguay gespielt.
   

Der einhändige Torschütze zum Sieg


Am Ende des Tages gewann der Gastgeber Uruguay mit 4:2 und krönte sich damit zum ersten Weltmeister in der Fußballgeschichte. Pablo Dorado brachte das Heimteam früh in Führung, bevor Carlos Peucelle und Guillermo Stabile das Spiel mit argentinischem Spielgerät wendeten und in die Halbzeit schickten. Das Centenario war sich jedoch sicher, das Spiel mit der nötigen Unterstützung in den zweiten 45 Minuten wenden zu können. So kam es dann letztlich auch: José Pedro Cea, Victoriano Iriarte und Hector Castro versetzten ihr Land in einen riesigen Freudentaumel. Vor allem der letzte Torschütze Castro brachte eine besondere Geschichte mit ins Turnier. Vor dem Turnier verlor er seine rechte Hand durch den falschen Einsatz einer Kettensäge, sodass er sein Land wortwörtlich einhändig zum Sieg schoss.

Bereits nach dem dritten Tor Uruguays hatte das zahlreiche Publikum den Rasen gestürmt − nach dem Schlusspfiff gab es überhaupt kein Halten mehr. Stattdessen verlor sich der FIFA-Präsident Jules Rimet in der Menge und fand keinen Uruguayer, dem er die Siegertrophäe hätte überreichen können. Schließlich war es der Verbandsvizepräsident Jude, der die goldene griechische Siegesgöttin Nike in den Abendhimmel recken durfte, nicht wie heutzutage üblich der Kapitän, welcher damals José Nasazzi hieß. Uruguay blieb für eine lange Zeit eine sehr gute Fußballmannschaft und ist selbst heute wieder zum dritten Mal in Folge für eine WM qualifiziert. Eine Siegquote von 41,00 (Stand 26. Oktober) lässt Luis Suarez, Diego Godin, Edinson Cavani und Co. zumindest in den Top 10 der Favoriten dabei sein. Verlassen konnten sie sich in der Qualifikation vor allem − wie sollte es anders sein − auf die Heimstärke: Gerade einmal eines von neun Spielen ging im Estadio Centenario verloren.


Regelmäßige Clásicos als lokale Highlights


Auf Vereinsebene nutzt keine Mannschaft das Centenario als Heimstätte. Die zwei größten Teams des Landes, Nacional sowie Peñarol, haben ihre eigenen Stadien, das Gran Parque Central sowie das Estadio Campeon del Siglo. Trotz allem wird das Spiel des Jahres, der Clásico zwischen den beiden Erzrivalen, nach wie vor im Nationalstadion ausgetragen, ganz einfach aufgrund der größeren Kapazität und besseren Möglichkeit, die feindlichen Fangruppen zu trennen. Dass dies nicht immer gut geht, wurde in den vergangenen Jahren leider allzu deutlich, als einige der lang erwarteten Spiele wegen Ausschreitungen gar nicht erst stattfanden oder unschöne Randerscheinungen aufwiesen. Auch die Gastspiele gegen kleinere Vereine werden zum Teil im großen Stadion ausgetragen, wenn dies erforderlich ist. Da die meisten Klubs ohnehin in Montevideo beheimatet sind, wird Flexibilität recht groß geschrieben.

Einer der legendärsten Klassiker zwischen Nacional und Peñarol fand im November 2014 statt. Nachdem es vor ausverkauftem Haus mit einem 0:0 in die Halbzeit ging, kam das offiziell als Auswärtsteam agierende Peñarol besser in den zweiten Spielabschnitt und ging durch einen Elfmeter von Antonio Pacheco in Führung. Die Antwort der anstürmenden Gastgeber ließ lange auf sich warten, doch kam dann umso deutlicher. In der ersten Minute der Nachspielzeit gab es Ecke für Nacional und selbst Torwart Gustavo Munua machte sich bereits auf in den gegnerischen Strafraum. Schließlich stocherte Ivan Alonso den Ball zum viel umjubelten Ausgleich über die Linie. Doch damit nicht genug, dachte sich die lebende Klub-Legende Alvaro Recoba, vor allem bekannt aus seiner Zeit bei Inter Mailand. In der fünften Minute der Nachspielzeit zauberte der Linksfuß einen Freistoß unhaltbar in die rechte obere Ecke. Peñarol war geschlagen und ob der schmerzhaften Niederlage am Boden des Centenario zerstört.
 

Tränen und Triumphe gab es in der Geschichte seit 1930 wahrlich genug zu bestaunen. Unzählige große Spiele und Turniere fanden hier statt und ein Ende ist nicht in Sicht. Wird das Stadion gar 2030 bei einer möglichen WM-Heimkehr zum 100-jährigen Jubiläum noch einmal als Spielort genutzt werden? Die Fußballromantiker könnten sich wohl wenig Schöneres vorstellen.
 

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